Filmkritiken

Drei Männer und ein Vamp

One Night at McCool’s, USA, 2001, Regie: Harald Zwart

 

One Night At McCool’s ist ein großer Spaß mit vielen unerwarteten Wendungen und überzeugenden Darstellern. Abgeguckt hat Regisseur Harald Zwart bei vielen Filmen, wie zum Beispiel Pulp Fiction oder True Romance, doch ist er streckenweise noch viel böser.

Wenn Jewel Valentine (Lyv Tyler) in das Leben eines Mannes tritt hat das keine guten Folgen. Entweder stirbt man(n), oder man(n) kommt auf die schiefe Bahn.
So ergeht es auch dem Barkeeper Randy (Matt Dillon). Erst kann er sein Glück kaum fassen als er Jewel kennenlernt. Sie scheint die Erfüllung seiner Träume zu sein. Doch dann werden ihm mehrere Morde angehängt, er verliert sein Haus und wird von der Polizei gejagt. Am Ende heuert er sogar den Profikiller Mister Burmeister (Michael Douglas) an, der Jewel aus dem Weg räumen soll.

Detective Dehlinger (John Goodman) ist der Cop in der Geschichte. Er muss die Morde aufklären. Bei den Ermittlungen dazu trifft er auf Jewel. Und er sieht in ihr eine Heilige, die von bösen Menschen zu kriminellen Taten verführt wurde. Er beginnt eine Liebesaffäre mit ihr.

Anwalt Carl (Paul Reiser) ist Randys Cousin. Auf einer gemeinsamen Grillparty kommen er und Jewel sich näher. Der ansonsten so taffe Anwalt beginnt mit ihr eine heftige SadoMaso Beziehung und kuscht unter ihrem Einsatz von Peitsche und Ketten ganz gehörig.

ln Rückblenden erzählen die drei männlichen Hauptfiguren das Geschehen. Randy klagt Mister Burmeister sein Leid. Anwalt Carl wendet sich an eine Psychologin und Detective Dehlinger beichtet seine Begierde für Jewel einem Pfarrer. Alle erzählen dieselbe Geschichte, aber doch immer aus anderen Perspektiven. So wirkt Jewel auf Randy wie ein süßes Gift dass Sex und Gewalt in einer Art verbindet, die ihn nicht mehr loslässt. Dehlinger sieht in Jewel ein engelsgleiches Wesen und Carl ist auf Vamp-Jewel einfach nur spitz wie Nachbars Lumpi. lrgendwann gibt es ein finales Treffen …

Dieser Film hat eine Menge zu bieten. Einerseits spielt er gekonnt mit Männerphantasien, wenn zum Beispiel John Coodman der lasziven Jewel beim Autowaschen zusieht. Plötzlich ist ein Weichzeichner über dem Bild, romantische Musik kommt aus dem Off und Lyv Tyler räkelt sich verführerisch auf dem eingeschäumten Auto. Andererseits hat der Film auch cool inszenierte Actionszenen. ln Zeitlupe wird herumgeballert, während die Village-People YMCA anstimmen. Und es gibt einfach viel zu lachen. Michael Douglas ist großartig als Mister Burmeister. Er hat eine Elvis-Gedächtnisfrisur, ein faltiges und bleiches Gesicht, dem man das Kettenrauchen ansieht und vermutlich seit Wochen dasselbe verboten hässliche Hawaiihemd an. Mister Burmeister nimmt zu seinem ,,Klienten“ Randy in einem abgehalfterten Bingocafé Kontakt auf. Randy und Burmeister spielen Bingo, während der Barkeeper, – ständig durch die Alarmsignale der Bingomaschine unterbrochen -, Burmeister erklärt weshalb Jewel sterben muss. Lyv Tyler ist einfach hinreißend als männermordender Vamp. lhr möchte man tatsächlich jeden Wunsch erfüllen.

Wer also schon Pulp Fiction, True Romance und Verrückt nach Mary mochte, der wird One Night At McCool’s lieben.

Florian Knabenschuh

 

Ein Haufen bunter Hunde

Best In Show, USA, 2000, Regie: Christopher Guest

 

Best ln Show ist der neue Film von Christopher Guest. Und eben dieser ist ein Multitalent. Guest spielt, schreibt Drehbücher und führt Regie in der skurrilen Satire über Hundeliebhaber und deren kleine Macken.

lch bin ins Kino gegangen, um eine Komödie zu sehen. Als ich es mir dann im Sessel gemütlich gemacht hatte, Popcorn und Erfrischungsgetränk in Reichweite, gingen die Lichter aus und der Film an. Der Filmtitel erscheint. Keine Musik. Kein Vorspann.
Dann ein junges Paar, dass schwer nach Yuppie aussieht. Sie sitzen einem etwas rundlicheren, zufrieden aussehenden Herrn gegenüber. An dem Yuppiebild des Paares stört lediglich, dass beide Zahnspangen tragen. Sie erklären dem Herrn, offensichtlich ein Psychiater, dass sie von ihrem ,,Kleinen“ beim Sex beobachtet wurden und dass dieser seitdem irgendwie nicht mehr der Alte ist. Der Psychiater schlägt vor, sich bei dem ,,Kleinen“ zu entschuldigen. Ein Schwenk der Kamera auf eine Minicouch. Darauf ein grauer Hund. Und das Yuppiepaar entschuldigt sich. Bei dem Hund Beatrice. Schnitt.

Zwei Menschen auf einem Sofa. Sie werden von einer Bildunterschrift als Gerry und Cookie Fleck, wohnhaft in Fern City/Florida, vorgestellt. Gerry (Eugene Levy) ist doppelt gehandikapt. Er hat Hasenzähne und tatsächlich zwei linke Füße. Seine Frau Cookie (Catherine O’Hara), eine etwas in die Jahre gekommene Vorstadtschönheit, hatte vor ihrem Gatten so circa 1.000 Liebhaber. Seit sie aber in den Hafen der Ehe eingelaufen ist, konzentriert sie sich voll auf den Terrier Winky.

Oh Cott! Ein Dokumentarfilm! Na das kann ja was werden. Und es wurde was. Nämlich eine hinreisend bissige Komödie, der es Spaß macht, sich das Mäntelchen des Dokumentarfilms anzuziehen. Eine Mockumentary.

Die weiteren Akteure sind ein schwules Pärchen samt Pekinesen Miss Agnes, und eine unfassbar dumme Blondine, deren Mitteilungsbedürfnis ebenso über dem Durchschnitt liegt wie ihre Oberweite.

Und alle diese Damen und Herren haben ein großes Ziel: Die Mayflower Dog Show in Philadelphia. Dort soll ihr Hund der ,,Best ln Show“ werden.
Auf dem Weg dorthin passieren natürlich allerlei Kuriositäten. Dem schwulen Pärchen fällt nach der Ankunft in ihrem Hotel nichts besseres ein, als erst einmal ihr Hotelzimmer mit mitgebrachten Wandteppichen zu verzieren. Cookie Fleck trifft auf der Reise mit dem Wohnmobil durch die halbe USA immer wieder ehemalige Liebhaber, und auf Grillpartys werden überschwängliche Songs mitTexten wie ,,God loves a Terrier!“ zum Besten gegeben.

Das Drehbuchautoren-Duo Christopher Guest und Eugene Levy – Levy ist auch für ,,American Pie“ mitverantwortlich – hat sich so einiges einfallen lassen. Und Christopher Cuest, der auch Regie führte, hat seinen Schauspielern genügend Freiraum gelassen, um die überzogenen Charaktere glaubwürdig rüberzubringen. Dieser Film dokumentiert die ganz besonders schweren Fälle in der Welt der Hundefreunde. Und durch den trockenen Erzählstil des Dokumentarfilms wird umso deutlicher auf die völlig schrulligen Eigenheiten der Hundeliebhaber hingewiesen.

So mancher Hundebesitzer wird sich in dem Film sicherlich wieder erkennen. Das ist aber nicht weiter schlimm. Denn die Charaktere bleiben, trotz ihrer schrulligen Art immer liebenswert. Selbst das völlig überkandidelte Yuppiepaar, das in Panik die ganze Show zusammenschreit, vermag die Sympathien nicht zu verspielen. Auch nicht als ihr total gestörter Hund die Jurorin anfällt.
Wer also Lust auf einen bissigen Film hat, liegt bei diesem Film genau richtig. Es ist kein Kracher wie ,,American Pie“. Aber den Anspruch hat der Film auch nicht. Er will unterhalten. Und das schafft er, auch ohne flache pubertäre Späße. Schade ist, dass die Charaktere teilweise doch etwas platt sind. Aber das sei hier mal verziehen. Denn bei acht Hauptdarstellern und einer Spielzeit von kurzweiligen 90 Minuten ist es auch nur schwer möglich, jeden einzelnen genauestens zu beleuchten. Der Film begleitet lediglich nur ein paar hundeverrückte Menschen über einen kurzen Zeitraum und gibt uns so einen kurzen Einblick in ihr Leben.

Und das bringt ganz gehörig viel Spaß.

Florian Knabenschuh

 

Der tollgrüne Held

Shrek – Der tollkühne Held, USA, 2000, Regie: Andrew Adamson & Vicky Jenson

 

Disney hat mit Toy Story und Das Grosse Krabbeln vorgelegt und nun legt Dreamwoks mit seinem neuesten Animationshit SHREK noch einen drauf. Wer diese Filme und das Fantasiegenre mag, der wird SHREK – Der Tollkühne Held lieben.

Da gibt es Wiesen und Bäume, die sich im einer leichten Sommerbrise wiegen. Seen und Bäche, die durchs Bild fließen, dass man Angst haben muss, nass zu werden. Schmetterlinge, die leicht um die äußerst real aussehenden Köpfe der Hauptpersonen flattern, deren Mimik man ganz genau ansehen kann, was sie empfinden. Und es gibt fast schon erschreckend real wirkende Menschen, die direkt aus den Rechnern der PDI / Dreamworks kommen.

All das, und noch viel mehr, gibt es in dem fernen kleinen Land Duloc, wohin uns die Computeranimateure entführen. Und irgendwo in Duloc, in einem Sumpf, lebt unser tollgrüner Held SHREK. So gehört es sich nämlich für einen Oger, was SHREK nun mal ist. Oger sind große, dicke und vor allem grüne Wesen, die eigentlich ganz netter Natur sind. Wenn man keine Vorstellung davon haben sollte, wie diese aussehen, nehme man Bud Spencer, rasiert ihm eine Glatze, taucht ihn in grüne Farbe und steckt ihm altertümliche Hörrohre in die Ohren. So ungefähr, mit einem Lendenschurz bekleidet, sieht der gemeine Oger aus. Genau: zum Fürchten. Daher auch sein Ruf ein menschenfressendes Ungetüm zu sein, der Shrek eigentlich ganz gut zupasskommt.

Und ist aus diesem Grund ist Shrek auch sehr erstaunt, als er eines Morgens aufwacht und seinen Sumpf von allerlei Märchenfiguren überlaufen sieht. Allesamt Flüchtlinge. Dulocs äußerst kleingewachsener, trotzdem – oder wohl gerade deswegen – an einer extrem großen Profilneurose leidende, König Farquaad hat verfügt, dass alle Märchen- und Fabelwesen registriert und eingesperrt werden. Sie suchen Schutz bei dem ,,fürchterlichen“ Oger. Um seinen Sumpf wieder ganz für sich alleine zu haben, macht sich SHREK mit seinem neugewonnenen Freund, dem plappermäuligen Esel Donkey, auf den Weg zu Farquaads straff organisierter Festung.

Der Oger und der König schließen einen Deal. Denn auch der König steckt in der Bredouille. Farquaad muss eine waschechte Prinzessin heiraten, damit sein Anspruch auf den Königsthron auf ewig abgesichert ist. Und da er ein unverbesserlicher Romantiker ist, will er nun gerade die Prinzessin heiraten, die von einem riesigen feuerspuckenden Drachen in einer riesigen uralten Burg gefangen gehalten wird. Das ist einfach eine Spur zu groß für den kleinen König. Deshalb soll SHREK die liebreizende Prinzessin Fiona befreien und dem König bringen. Der würde dann, großzügig wie er ist, die Jagd auf die Fabelwesen abblasen. Die Flüchtlinge könnten wieder heimkehren und SHREKs geliebter Sumpf wäre wieder so, wie er es gewöhnt ist. Es gelingt SHREK und Donkey die Prinzessin zu befreien. Rasante Kampfszenen, die im Matrix-Stil animiert wurden, machen aus dem Kampf zwischen SHREK und dem Drachen zu einem sehenswerten Spaß. Es bleibt natürlich nicht aus, dass sich unser Held auf dem Rückweg zu Farquaad in Fiona – die natürlich ein großes, dunkles Ceheimnis in sich trägt -verliebt. Aber das macht die ganze Sache ja nur noch spannender – und vor allem lustiger.

Bunt ist sie, die Welt von SHREK. Und völlig überlaufen von schrägen Gestalten. Zum Beispiel Pinocchio, dessen Nase immer länger wird, als er den Häschern des Königs erklärt, dass er ein ganz normaler Junge ist. Oder der böse Wolf, der es sich in SHREKs Bett gemütlich macht.

Und natürlich SHREK selbst. Für einen Märchenheld hat er doch ein sehr großes und auf die reale Welt leicht zu übertragendes Problem. Er muss sich so akzeptieren, wie er ist. Und er muss lernen, dass es nicht immer auf den äußeren Schein ankommt. Denn der kann trügen. Das ist zwar als Thema für einen Film nichts Neues und Weltbewegendes, doch wird diese Thematik sehr erfrischend und witzig verpackt präsentiert. Kein erhobener Zeigefinger, sondern Wortgefechte mit einem großen Tempo und einem irren Wortwitz machen den Charme aus. Und überhaupt ist der Film wunderschön bissig. Gnadenlos wird aus anderen Filmen zitiert und kopiert. Da will Robin Hood die Prinzessin aus den Armen des Ogers befreien und versaut diese Aktion so gründlich, dass beim Zuschauer kein Auge trocken bleibt. So bietet der Film allen Altersgruppen etwas. Den Kleinen Action und Slapstick, den Älteren sarkastische Seitenhiebe und teilweise doch einen ziemlich deftigen Humor, aber auch schmalzig schöne Szenen.

Ein großer Teil des Witzes entsteht durch die Originalsynchronisation der Helden. So lieh Mike Myers (Austin Powers / Waynes World) SHREK seine überaus markante Stimme, Eddie Murphy (Beverly Hills Cop) vertonte das Plappermaul Donkey und Cameron Diaz (3 Engel Für Charlie) die Prinzessin. Wer es sich zutraut den Film auf Englisch zu sehen, sollte das dann auch tun. Denn für die deutsche Fassung sind unter anderem Sascha Hehn und Esther Schweins zuständig und ob die das so gut hinbekommen, ist sehr fragwürdig.

SHREK Der Toltkühne Hetd ist ein Animationsspaß. Atemberaubende Landschaften, skurrile Wesen, witzige Dialoge und eine überraschende Story machen den Film zu einem großen Kinospaß.

Florian Knabenschuh

 

Es rumst in Detroit City

Exit Wounds – Die Copjäger, USA, 2001, Regie: Andrzej Bartkowiak

 

Erfolgsproduzent Joel Silver (The Matrix) schickt in Exit Wounds – Die Copiäger Steven Seagal und Rapper DMX in die Schlacht gegen korrupte Polizisten und gegen den ganz alltäglichen Wahnsinn auf den Strassen amerikanischer Großstädte. Da fliegen Autos wie Kugeln. Seagal lässt seine Fäuste in gewohnt eindrucksvoller Manier fliegen – und zum Lachen gibt’s auch ne Menge!

Der Actionfilm beginnt wie so mancher James Bond Film: Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika hält in Detroit eine flammende Rede gegen die Waffenlobby. Radikale verüben einen Anschlag auf ihn und der Einzige, der die Situation relten kann, ist zufällig in der Gegend: der Cop Orin Boyd (Steven Seagal, ausnahmsweise mal ohne Zopf ). Gegen den ausdrücklichen Befehl des Secret Service mischt er sich in die Schiesserei ein, die ungefähr das Ausmaß des dritten Weltkrieges erreicht. Hubschrauber, wie Polizeiwagen explodieren, böse, wie gute Cops werden erschossen. (Spätestens jetzt weiß der Kinogänger, was ihn erwartet…) Aber Boyd schafft es, das Leben des Vizepräsidenten zu schützen. Das wird jedoch von seinen Vorgesetzten nicht belohnt. Weil sich Boyd mal wieder in eine Situation eingemischt hat, die ihn laut Befehl nichts anging, wird er auf das schlimmste Polizeidezernat der Stadt strafversetzt. Dort muss er Dienst nach Plan schieben, ja sogar den Verkehr regeln. Bei einer Selbsthilfegruppe soll er lernen, mit seinen Aggressionen umzugehen. Hier gibt es gleich mehrere zum Schiessen lustige Szenen. Seagal versucht der Psychotherapeutin klarzumachen, dass er ein absolut glücklicher Mensch ist der in sich selbst ruht. Dummerweise zerlegt er dabei das komplette Mobiliar, da ihn die Psychotherapeutin nicht ernst nimmt.

Per Zufall kommt Boyd dem Drogendealer Latrell Walker (DMX) auf die Spur. Dieser will eine große Menge Kokain aufkaufen, die grad aus einer Asservatenkammer der Polizei von Detroit gestohlen wurde. Anscheinend von einer Bande korrupter Polizisten, die zufällig auf dem selben Dezernat wie Boyd ihren Dienst schieben. Boyd will nun den Dealerring auffliegen lassen und steht damit ganz oben auf der Abschussliste seiner korrupten Kollegen. ln die Enge geraten bekommt Boyd Hilfe von gänzlich unerwarteter Seite: der vermeintliche Dealer Walker ist doch nicht so ganz der skrupellose Gangster, wie es für den Cop den Anschein haben musste. Die Fronten vermischen sich zunehmend …

Knallharte Action, coole Sprüche, Situationskomik und vor allem Steven Seagal machen den Film für Action-Fans zu einem Muss. Gott sei dank hat der Aikidomeister Seagal bei diesem Film auf sein sonstiges ,,Wir-sind-ein-Volk-und-müssen-uns-alle-lieb-haben“ Gefasel verzichtet. Hier mimt er nicht den Weltverbesserer, der gegen die bösen Umweltverschmutzer kämpft (siehe ,,Auf brennendem Eis“, oder besser doch nicht…?). Sondern einen Cop, der die Schnauze von Korruption, Drogen und Verbrechen gestrichen voll hat. So schiesst er manchmal, im wahrsten Sinn des Wortes, über sein Ziel hinaus. Dabei fällt er die Karriereleiter der Polizei bis ganz nach unten.

Dem Rapper DMX merkt man an, dass es seine erste große Kinorolle ist. Er wirkt etwas hölzern, kann aber trotzdem seine Figur glaubhaft rüberbringen.

Exit Wounds – Die Copiäger ist ein sehr guter Actionfilm. Aber eindeutig nichts für zartbesaitete. Steven Seagal bricht so manchen Knochen und so manche großkalibrige Automatikwaffe schickt in Nahaufnahme, namenlose Gangster in die ewigen Jagdgründe.

Regisseur Andrzej Bartkowiak hat schon in der Zusammenarbeit mit dem Produzenten Joel Silver (The Matrix) den Actionfilm Romeo Must Die abgeliefert. Jetzt haben die beiden mit Exit Wounds noch einen draufgelegt. Schnelle Schnitte, Zeitlupen in richtigen Maßen, fette Beats, eindrucksvoll inszenierte Explosionen und perfekt choreographierte Kampfszenen machen den Film zu einem spitzen Actionerlebnis, bei dem es ordentlich rummst.

Vielleicht sogar zum Actionerlebnis des Jahres.

Florian Knabenschuh

 

Nichts ist wie es scheint

Along came a spider – Im Netz der Spinne, USA, 2001, Regie: Lee Tamahori

 

Along Came A Spider ist der zweite Film nach Denn zum Küssen sind sie da, in dem Morgan Freeman in die Rolle des Profilers Alex Cross schlüpft. Der Film basiert auf einem Roman von Erfolgsautor James Patterson.

Bei der Überwachung eines Serienkillers kommt es zu einem Autocrash. Alex Cross (Morgan Freeman) Partnerin stirbt. Cross gibt sich die Schuld und zieht sich aus dem Polizeidienst zurück. Und er wäre sicherlich gänzlich in Selbstmitleid zerflossen, wenn da nicht der Anruf von Gary Sonji gekommen wäre. Sonji hat nach langer und genauester Planung Megan, die kleine Tochter eines US-Senatoren, aus einer Hochsicherheitsschule entführt. Die Schule war vom Secret-Service abgesichert und Megans (Mika Boorem) persönlicher Wachhund, die Secret-Service Agentin lezzie Flannigan (Monica Potter), wurde ganz offensichtlich von Sonji ausgetrickst. Doch Sonji geht es nicht um Lösegeld. Sein wahres Ziel liegt noch im Dunkeln. Cross, der neben seiner Tätigkeit als Profiler noch Autor ist, soll den Fall dokumentieren. Also wird Cross als Mittelsmann zu den Ermittlungen hinzugezogen. Gemeinsam mit Flannigan macht er sich auf die Jagd. Doch Sonji macht es den Beiden nicht leicht. Kleine hinterlassene Rätsel geben immer neue Spuren auf, die allenfalls wie dünne Lichtarme durch das Dunkel schneiden und so das Düstere nur noch bedrohlicher wirken lassen. Nichts ist so, wie es scheint. Als Cross glaubt, sie hätten die Spur verloren, bekommt der Vater des entführten Kinds eine unerwartete Lösegeldforderung. Die Geldübergabe gelingt doch von Megan fehlt weiterhin jede Spur. Lebt sie noch? Wenn ja: wo ist sie und was ist mit dem Lösegeld geschehen? Lange bleibt es still von Seiten des Entführers, bis Sonji eines Abends in Cross Wohnung eindringt und mit vorgehaltener Waffe ein Gespräch verlangt. Cross erfährt, dass der Entführer Megan schon lange nicht mehr in seiner Gewalt hat. lrgendjemand, der bestens informiert ist, hat sie ihm abgeluchst. Der hat auch das Lösegeld kassiert. Es kommt zu einem Kampf zwischen Cross und Sonji. Cross überlebt, die Ermittlungen stehen damit wieder am Anfang. Er muss erkennen, dass er und Sonji von Anfang an nur von jemanden benutzt wurden. Doch ist es vielleicht schon zu spät größeres Unheil zu verhindern?

Along Came A Spider ist ein grundsolider Thriller, der durch seinen Hauptdarsteller und seine überraschende Story versteht zu fesseln. Morgan Freeman, zu dessen großartigsten Rollen sicherlich immer noch die des Chauffeurs Hoke Colburn in Driving Miss Daisy gehört, überzeugt durch eine ausgefeilte Charakterdarstellung. Wenn er mit seinen Filmpartnern agiert können diese sich nie sicher sein, ob sie gerade analysiert werden. Ganz geschickt nimmt Cross seine Partnerin und seine Gegner unter die Lupe und scannt jedes Wort und jede Geste. Michael Wincott spielt den genialen Entführer und Killer Sonji mit überzeugender Bösartigkeit. Wincott kennt man hauptsächlich als Bösewicht aus Filmen wie The Crow und 1492: Die Eroberung des Paradieses.

Optisch hat der Film leider nichts Neues zu bieten. Regisseur Lee Tamahori (Die letzte Kriegerin) hat sich schnörkellos auf das Wesentliche konzentriert um die verworrene Story nicht noch verwirrender zu gestalten. Along came a spider – ein solider und spannender Thriller.

Florian Knabenschuh

 

Pickelface is back in town!

Schrei wenn Du kannst, USA/Australien, 2001, Regie: Jamie Blanks

 

Schrei wenn Du kannst heißt der neue Film von Jamie ,,Düstere Legenden“ Blanks. Ein Slasherfilm wie er im Buche steht. lm Strafgesetzbuch!

Ein neuer Slasher Film ist in den Kinos. Schon der deutsche Titel ,,Schrei wenn Du kannst‘ kommt einem stark bekannt vor. Lautete so nicht auch der deutsche Untertitel von Scream? Und attraktive Hauptdarstellerinnen (Denise Richards, Jessica Capshaw, Marley Shelton, u.v.a.), maskierte Killer, die genau diese Hauptdarstellerinnen massakrieren, findet man auch in so manchen anderen Genrefilmen. So. Das sind aber auch schon die Gemeinsamkeiten. Denn den Witz und die Spannung von Scream und anderen Vorgängern erreicht dieser Film leider überhaupt nicht.

Die Story erinnert sehr an die Horrorfilme der Achtziger. Ein pickeliger Junge wird, nachdem er auf einer Valentinsparty von allen fälschlicherweise als Vergewaltiger bezichtigt wird, zusammengeschlagen und mit roter Bowle (kommt einem das nicht aus ,,Carrie“ bekannt vor?) überschüttet. Dreizehn (schöne Grüße an ,,Halloween“ und ,,Freitag der 13.“) Jahre später kommt er, hinter einer Amormaske versteckt, zurück und will sich an den gemeinen, ehemaligen Mitschülern rächen. Die Mädchen der damaligen Clique bekommen allesamt Valentinskarten mit Morddrohungen zugeschickt. Keine ahnt von wem diese Karten kommen könnten. Und so nimmt das Morden seinen Lauf. Der Killer knippst einer Dame nach der anderen ratzfatz das Lichtlein aus – große Leuchten waren es eh nicht. Und er ist dabei nicht grad zimperlich. Da werden Pfeil und Bogen, heiße Bügeleisen, die obligatorischen Messer, Glasscheiben und Bohrmaschinen zweckentfremdet als Mordinstrumente genutzt. Die für die Slasherfilme üblichen Verdächtigen gibt es auch, nämlich die attraktiven Lover der Hauptdarstellerinnen. Und einen Kriminalinspector, der jedoch mehr an der Figur von Denise Richards, als an der Aufklärung der Mordfälle interessiert ist. Am Ende verliert er eh den Kopf. Mehr gibt es zu der Story in diesen Film eigentlich nicht zu sagen. Denn sonst hätte man das Ende schon verraten.

Die Schauspieler sind zwar sehr bemüht, aber dabei bleibt es leider auch. Wahrscheinlich kamen sie nicht gegen das äußerst schwache Drehbuch an. Schade. So bleiben die Charaktere zwar hübsch anzusehen, doch ansonsten ziemlich farblos. Und gerade von Denise Richards hätte man nach dem Thriller Wild Things eigentlich mehr erwarten können.

lm Großen und Ganzen hat der Film nichts zu bieten, was seine Vorgänger nicht auch schon gezeigt haben. Da hätte sich Regisseur Jamie Blanks mehr Mühe geben können. Denn bei seinem Erstlingswerk Düstere Legenden hat er seinen lob um einiges besser gemacht. Und wenn er schon ständig aus anderen Filmen zitiert oder gar abkupfert, sollte er das wenigstens gut machen. So wirkt der ganze Film einfach nur unmotiviert heruntergedreht. Gut: ein paar Schockszenen und Lacher gibt es in dem Film schon. Aber das macht noch keinen guten Slasherfilm aus. Schrei wenn Du kannst ist wirklich nur Hardcore Genrefans zu empfehlen. Alle anderen werden wahrscheinlich schreiend aus dem Kino rennen.

Florian Knabenschuh

Der Piranha in der Badewanne

Swimming Pool – Der Tod feiert mit, Deutschland, 2001, Regie: Boris von Sychowski

 

Swimming Pool ist ein deutscher Horrorfilm von Regieneuling Boris von Sychowski. Und dass er ein Neuling ist merkt man leider. Er hat so gut wie alles falsch gemacht. Schade ist das schon, denn einen Nachfolger von Anatomie hätte das deutsche Genrekino gebrauchen können.

Die Story ist schnell erzählt. Eine Clique von 11 Schülern der lnternational Highschool Prague wollen eine rauschende Abschlussparty feiern. Sie haben sich auch schon einen Ort dafür ausgesucht. Sie wollen ihre private Abi-Fete in dem größten Erlebnisbad Prags feiern. Dazu müssen sie nur in das Bad einbrechen. Das ist schnell gemacht und schon geht die Party los. Der Alkohol fließt in Strömen, laute Rockmusik dröhnt durch die Schwimmhalle und es liegt Sex in der Luft. Die Stimmung ist so richtig auf dem Höhepunkt, bis zwei grausamst verstümmelte Leichen von Mitschülern gefunden werden. Anscheinend hat ein verrückter Killer die beiden mit einer Machete zerhackt. Danach hat er sämtliche Ausgänge des Bads verriegelt.

Es beginnt das übliche Whodunit (zu deutsch: Wer war es?). Schnell kommen die Abiturienten darauf, dass der Killer nur aus den eigenen Reihen stammen kann. Man beschließt nur zusammen Fluchtversuche zu starten, um nicht allein durch die langen Gänge der Erlebniswelt zu gehen. Doch die Ausgänge sind so gut verriegelt dass es den Einbrechern nicht mehr gelingt auszubrechen. So langsam lichten sich die Reihen der Darsteller. So mancher Liter Blut fließt und so manches Gliedmaß wird abgetrennt. Es kommt zum Showdown zwischen dem Killer und zwei übrig gebliebenen Abiturienten, einem Pärchen. Wer gewinnt wohl? Richtig! Das Liebespaar kann den Killer besiegen. Der entpuppt sich übrigens als…..na ja. So viel will ich hier dann doch nicht verraten. Vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen, der sich den Film angucken will. Es ist allerdings davon abzuraten. Man möchte laut ausrufen: NEIN! CEHT NICHT lN DIESEN FILM! lnvestiert das Geld lieber in einen Blumenstrauß, den ihr dann dem Erstbesten auf der Straße in die Hände drückt. Das ist allemal besser, als sich knapp hundert Minuten über einen so dermaßen schlechten Film zu ärgern. Oder lhr verlasst einfach die Vorführung … das haben einige Kritiker bei der Pressevorführung auch gemacht.

Obwohl Swimming Pool eine deutsche Produktion ist, musste der Film synchronisiert werden. Boris von Sychowski (Regie und Drehbuch) hat sich für seinen Film nämlich ein paar internationale B/C- und, wie es scheint auch Z-Movie-Darsteller zusammen geholt die durch die Bank weg farblos und uninteressant sind. Schlechte Dialoge und miese, schlecht synchronisierte Darsteller machen den Film unfreiwillig komisch. Trashig. Sychowski wollte wohl den schicken Look von Eiskalte Engel mit der Spannung und dem Horror von Scream mischen. Herausgekommen ist aber eine Mischung aus Der Angriff der Killertomaten – ohne jedoch den kultigen Trashfaktor zu erreichen – und gähnender Langeweile.

Mit einem letzten ‚Trumpf‘ wartet der Film noch auf: Einer der Hauptdarsteller verschwindet plötzlich aus dem Geschehen. Er wird nicht umgebracht, ist nicht geflohen. Nein: er ist schlicht und einfach nicht mehr da. Es fällt aber keinem seiner Schauspielerkollegen auf. Es scheint, als habe sich der Schauspieler während der Dreharbeiten klammheimlich vom Set weggeschlichen, weil er keine Lust mehr auf den Film hatte oder es ihm schlicht und einfach zu peinlich war – was man ihm eindeutig als Charakterstärke anrechnen könnte.

Das einzige, was als Pluspunkt zu erwähnen wäre, ist der Soundtrack. Der rockt. Aber der Film? NEIN! GEHT NICHT lN DlES…

Florian Knabenschuh